Mit Sketchnotes alle Schüler:innen im Blick?

Ich habe meine erste Epoche in diesem Schuljahr mit einem Experiment abgeschlossen. Da ich Chemie unterrichte, löst das erstmal kein Erstauen aus, oder?

Mein Experiment: anstatt ein Heft am Ende der Epoche abzugeben, fertigen die Schülerinnen wöchentlich eine Zusammenfassung zu den Themen des Unterrichts in Form einer Sketchnotes an.

Meine Fragestellung:  Kann ich anhand der Zusammenfassung erkennen, ob die Schülerinnen den Inhalt verstanden haben?

Das Thema Sketchnotes und dessen Einsatz im Unterricht begleitet mich seit einigen Jahren.  Dabei geht es für mich auch immer darum, wie schaffe ich es  Schülerinnen die Scheu und Angst vor dem Chemieunterricht zu nehmen? Welche Form der Unterstützung brauchen sie, um sich besser in die, für sie schwierigen Strukturen ein zu denken und in welcher Form kann ich mit Sketchnotes dabei helfen.

Wie lernen wir eigentlich und was fördert das Lernen?

 

Unser Gehirn reagiert auf Reize von außen und verarbeitet diese in Sekundenbruchteilen über verschiedene Synapsen im Gehirn. Da wir zwischen 60.000 und 70.000 Gedanken am Tag denken, entscheidet unsere Schaltzentrale Gehirn blitzartig, ob es sich lohnt einen Gedanken weiterzuverfolgen oder eben nicht. 

Wir merken uns besser Informationen wenn sie mit Bildern, Emotionen oder Geschichten verknüpft werden.

 2018 lernte ich Sketchnotes kennen und war sofort Feuer und Flamme, denn Yeah – ich brauche dafür gar nicht zeichnen zu können!  Dann kam schnell der Gedanke: wo und wie kann ich diese visuelle Effekte der Sketchnotes in meinem Unterricht einsetzen und können Schülerinnen wirklich damit besser lernen? Wissenschaftler haben unter dem Begriff Picture Superiority Effect,  herausgefunden, dass visuelle Informationen vom Gehirn 60.000 mal schneller verarbeitet werden als ein Text. Und wie arbeiten wir in der Schule? Mit langweiligen Textwüsten!

Neben Bildern gehören zum nachhaltigen Lernen noch Emotionen und Geschichten. Diesen Teil des Lernens liefere ich im Chemieunterricht mit meinen denkwürdigen, lauten und beeindruckenden Versuchen, vielen Anekdoten und fachlichem Storytelling.

Sketchnotes im Chemieunterricht, das Learning meiner Schülerinnen im August 2021

 

Unter dem Motto von Goethe : Wir sprechen überhaupt zu viel, wir sollten viel mehr zeichnen! 

 habe ich mein Sketchnotes-Experiment für nachhaltiges und motiviertes Lernen gestartet. Biete ich wirklich mit Sketchnotes  meinen Schülerinnen ein kreatives Hilfsmittel für Aha-Erlebnisse und Lernerfolge?

Meine Arbeit mit Sketchnotes im Unterricht war bisher:  Einen Epochenüberblick mit allen Themenschwerpunkten und einzelne komplexe Sachverhalte anschaulich und strukturiert darzustellen. 

Für mein Experiment zeichnete ich noch viele weitere Sketchnotes in Form von Lernplakaten mit unterschiedlichen Layouts und Themenschwerpunkten. Am Ende hingen alle Plakate im Naturwissenschaftsraum mit dem Ziel Interesse, Kreativität und Neugierde zu wecken und Emotionen zu erzeugen.  

Visuelle Sprache wirkt – Fazit der Schülerinnen

 

Das Feedback meiner Schülerinnen, nachdem sie 3 Wochenrückblicke angefertigt haben:  

  • es macht Spaß 
  • der Unterricht wurde zum Ende der Woche wirklich nachbereitet 
  • es dauert länger in Sketchnotes Form, aber so wurden die Inhalte schon mal gelernt 
  • hat das Lernen vereinfacht
  • es war wie ein riesiger Spickzettel
  • ist interessanter als reiner Text
  • ich kann mein Wissen verständlich machen
  • ich sehe, ob ich es verstanden habe

 

Sketchnotes im Unterricht – Mein Resümee

 

Ich bin nach diesen 3 Wochen geflasht, was meine Schülerinnen mit Sketchnotes gestaltet haben.

Nach der 1. Woche habe ich viele, viele unterschiedliche Wochenrückblicke aufgehängt. Zum einen als zusätzliche Anregung für unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten und zum anderen um verschiedene Aspekte eines Lernplakates zu besprechen.

Folgende Punkte waren uns in der Nachbesprechung, unabhängig vom Inhalt wichtig:  

  • Farbgestaltung
  • Struktur und Layout
  • Textcontainer und Rahmen
  • Lesbarkeit und Aussagekraft mit viel oder wenig Text
  • Lenkung des Betrachters über das Plakat mit Pfeilen oder Nummerierung 
  • Schriftbild 

Neben der Struktur waren aber folgende Themen noch wichtig.

Ich kann nicht zeichnen!

Muss auch keiner, aber Ideen zu Papier bringen mit Strukturen, Textblöcken und Pfeilen, die über das Plakat lenken, kann wirklich jeder erlernen.  

Wie viel Text braucht mein Plakat?

Hier setzt in meinen Augen die wirkliche gedankliche Arbeit für die Schülerinnen an. In einer Sketchnotes muss ich mich  entscheiden, welchen Schwerpunkt ich wähle und mich auf eine Hauptthema festlegen. Es ist nicht möglich alles zu dokumentieren. Die Abstraktion des Gehörten auf wenige Punkte und das Treffen einer Entscheidung war eine große Herausforderung für die Schülerinnen der 11. Klasse. Denn es stand mit einer Entscheidung auch immer die Frage im Raum, habe ich die richtige Wahl getroffen und war sie richtig. 

Bei der Durchsicht des zweiten Rückblicks habe ich sofort an der Formulierung der erklärenden Texte gemerkt, dass die Elektrolyse von Wasser noch nicht gefestigt war und es noch Verständnisschwierigkeiten gab. Das fand ich ausgesprochen spannend, aufgrund der Unsicherheit Formulierungen und der eleganten Umschiffung bestimmter Aspekte hier gleich eine hilfreiche Möglichkeit an die Hand bekommen, das Thema in der Wiederholung aufzugreifen und zu klären. 

Mein Fazit: Ein klares JA

 

Auf die Frage, ob ich mit Sketchnotes alle Schülerinnen mit ihren Lernerfolgen im Blick habe, kann ich aufgrund meiner Erfahrung mit dem Wochenrückblick mit einem klaren Ja beantworten. Das macht mir Mut, weiter mit Sketchnotes in meinen Unterricht zu experimentieren.

Ausblick: Meine Vision

 

Meine Vision ist es, mit Sketchnotes eine Lern-Methode zu entwicklen, die neben der humorvollen Kreativität Spaß macht, und Wissen bleibend im Langzeitgedächtnis verankert und nachhaltig abrufbar ist. 

 

Die Veröffentlichung dieser Plakate ist in Absprache mit meinen Schülerinnen und Schülern getroffen worden und ich möchte sie als Anregung zeigen, was alles möglich ist. Es geht hier nicht um gute oder schlechte Lernplakate! Es geht um individuellen und kreative Lösungen mit Sketchnotes.

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