Meine 6 Tipps für ein gutes Tafelbild!

In diesem Blogbeitrag geht es darum, wie du Tafelbilder für die Mittel-und Oberstufe so strukturiert, dass das Lernergebnis der Unterrichtsstunde ordentlich und ansprechend dokumentiert ist. Und es einen Mehrwert für die Schüler:innen liefert und keine unübersichtlichen und chaotischen Textwüsten.

Es geht hier nicht um das tolle, künstlerische Tafelbild, das in den Unterstufenklassen an den Waldorfschulen allgemein ein „WOW“ oder „so schön“ hervorruft. Diese Form des Tafelbildes unterstützt den Klassenlehrer in seinen Epochen und hat einen ganz anderen Anspruch.

Früher habe ich irgendwo angefangen etwas zu Thema an die Tafel zu schreiben, hatte einen groben Plan im Kopf und dann, kam der Unterricht dazwischen. Und am Ende der Stunde war die Tafel voll, unstrukturiert und keiner fand sich mehr durch. Auch eine anschließende Nummerierung konnte keine Abhilfe schaffen. Die Schüler:innen standen am Ende davor und verstanden nichts und keiner fand sich mehr zurecht.

Ich habe die Tafel als wirkliche Unterstützung für meinen Unterricht während einer Hospitation bei einer Chemie Kollegin kennengelernt. Ihr Tafelbild hatte für mich den AHA-Effekt: eine übersichtliche Gliederung über den Verlauf des Unterrichts und am Ende die Ergebnissicherung. Viele Nachfragen wurde einfach nonverbal geklärt, indem auf bestimmte Punkte des Tafelbildes gezeigt werden konnte, dazu waren dann keine langweiligen und wiederholenden Erklärungen mehr nötig.

Meine Tafel im Chemie-Unterricht

Ich habe in meinem Naturwissenschaftsraum eine ca. 2 m lange und 1 m hohe Schiebetafel mit 2 Tafeln. Die vordere Tafel ist blanko, die hintere Tafel hat ein Rechenmuster aufgedruckt. Das Format erfordert eine Umgewöhnung, da die Schüler:innen mit einem DIN A 4 Format arbeiten, das heißt, genau das Gegenteil von meiner Tafel.

Auf dieser grünen Tafel halte ich alle Ergebnis der Unterrichtsstunde mit Kreide fest. Old fashioned? Mag sein, aber das ist mittlerweile mein bevorzugtes Medium der Ergebnis-Sicherung.

Der Wert des Tafelbildes

In meinem Unterricht ist mir aufgefallen, dass sich die Schüler:innen zum einen den Inhalt meiner Chemie-Stunde am besten merken können, wenn ich am Ende der Stunde ein strukturiertes und übersichtliches Tafelbild erstellt habe.

Und zum anderen genug Zeit eingeplant habe, dass sich die Schüler:innen das Tafelbild in Ruhe in ihr Heft abschreiben können. Während des Abschreibens haben sie die Muße den Prozess der Stunde hier nochmal zu durchdenken. Schüler:innen finden sich durch ihre Mitschriften der Tafelbilder besser in ihrem Heft zurecht und durch immer gleiche Form.

Der Prozess des Lernens

Alles was ich an die Tafel schreibe, wird von den Schüler:innen in ihr Heft übertragen.

Der Unterrichtsstoff kann so zuerst vom Auge aufgenommen werden. Durch das Abschreiben wird der Stoff nochmal vertieft und ähnelt ,bei ausreichender Zeit, auch einem meditativen Prozess. Die Spitze des Stiftes stelle ich mir immer als den Grenzbereich von der Aussenwahrnehmung zum inneren, individuellen Bereich vor. Jeder Mensch lernt und verarbeitet die Lerninhalte anders. Erst nach diesem Prozess wird es im Gehirn verankert.

Aber auch das Herleiten des Stoffes an der Tafel, verankert sich im Gehirn und bleibt so präsent.

Das Tafelbild unterstützt mich als Lehrer meinen Lernstoff zu visualisieren und meine Schüler:innen beim Lernen und Verstehen zu unterstützen.

So arbeite ich

1. Planung

Ich plane mein Tafelbild während der Vorbereitung für meinen Unterricht. Diese Planung zeigt mir die Eckpunkte und den Ablauf meines Unterrichts.

Ich male das Tafelbild auf einem DINA 4 Blatt in quer vor, damit kann ich seine Wirkung sehen.

Trotzdem bleibe ich bei der Planung so flexibel, dass ich spontan Ideen von Schüler:innen einbauen kann.

2. Farbe

An der Tafel steht mir als erstes nur weiße Kreide zur Verfügung. Dass ist die Farbe, mit der ich schreibe. An der Tafel ist es wichtig, die Farben zu nutzen, die alle Schüler:innen sehen können, auch in der letzten Reihe. Das sind bei mir die pastelligen Farben. Das Karminrot, Dunkelblau und Dunkelgrün benutze ich nicht, da diese Farben an der Tafel nur schwer zu erkennen sind.

– Farben geben Struktur

– Farben haben einen Wiedererkennungswert

– mit Farben prägen sich bestimmte Dinge leichter ein

Ich lege Farben für verschiedene Bereiche fest:

– Themen der Epoche

– Untertitel

– Versuche

– Ergebnis oder Fazit der Stunde

Ich notiere sie mir die Farben und ändere sie während der Epoche nicht. Das gibt den Schüler:innen und mir Halt und Orientierung. Mein Ziel für das nächste Schuljahr: die Farben stringent für meine Fächer festzulegen. Dazu mehr in einem der nächsten Blogs.

Strukturgebende Elemente

3. Banner

Das Hauptthema bekommt als Unterschrift immer ein auffälliges Banner. Entweder ist das Banner in der Farbe es Hauptthemas oder der Titel. Damit ist allen klar, wie sprechen ein neues Thema an, das ist wichtig.

4. Rahmen oder Container

Am Ende eines Themas oder des Unterrichts halte ich das Ergebnis als Merksatz oder in einer Formel fest. Meine Schüler:innen dürfen den Merksatz selbst formulieren und ich lasse mir ein Ergebnis für die Tafel diktieren.

Das Stunden-Ergebnis bekommt einen Rahmen in einer auffälligen Farbe wie orange oder gelb. Und dazu noch ein Symbol, meist ein Ausrufezeichen.

5. Symbole

Ich schreibe meine Texte in Blöcken mit Schlüsselbegriffen. Dazu male ich zur Orientierung noch ein System dazu.

– Versuchsaufbau – Reagenzglas

– Versuchsbeschreibung: Was sehe ich- evtl. die Schutzbrille

usw.

6. Pfeile

Pfeile benutze ich bei Schaubildern, um Dinge miteinander zu verbinden.

– Pfeile lenken den Blick

– Pfeile stellen Zusammenhänge her

Und dann wird alles weggewischt- schade- ja manchmal. Aber ich kann am nächsten Tag neu beginnen.

Der nächste Tag

Zum Wiederholen am nächsten Tag sammelt ich alles, was den Schüler:innen vom letzten Versuch einfällt ungeordnet an der Tafel. Manchmal bilde ich schon Cluster, manchmal ganz frei. Und hier kommen dann wieder Farbe und Rahmen und Pfeile und Symbole dazu. In dieser Form bilden wir Zusammenhänge aus dem letzten Unterricht. Es gibt aber auch die Möglichkeit durch logische Ketten oder Abfolgen einen Zusammenhang herzustellen. So können die Schüler:innen ihr Wissen Wissen überprüfen und sich Zusammenhänge klarmachen.

Für mich ist das strukturierte Visualisieren mit Sketchnotes an der Tafel der erste Schritt zum Lernen und Verstehen des Lernstoffes.

Zusammenfassung

Meine Schritt für Schritt Anleitung:

– flexible Planung des Unterrichtsverlaufes anhand einer Skizze des Tafelbildes

– Farbe als Wiedererkennung

– strukturgebende Elemente zur Orientierung

– kurze Texte in Blöcken mit Schlüsselwörtern

– Rahmen um wichtige Bereiche des Textes hervorzuheben

– Banner zur Gliederung

– Symbole zur Erfassung des Textes mit einem Blick

– Pfeile lenken das Auge über den Text

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